Oder: Vom Traum echt und glaubhaft zu wirken

Authenti… was? Authentizität. Ein Wort, das sich nur schwer aussprechen lässt, aber authentisch sein, das wollen wir alle. Als authentisch bezeichnet zu werden, ist ein riesiges Kompliment. In der heutigen Zeit scheinen wir uns nach dem echten, maskenlosen Menschen und nach Glaubwürdigkeit zu sehnen. Aber wie können wir ganz wir selbst sein? Und können und sollen wir uns immer authentisch zeigen? Wie können wir glaubhaft wirken?

Authentisch sein – Wie du deine wahre Rolle spielen kannst

 

Authentisch sein oder Authentizität – Was ist das überhaupt?

In einem scheinen sich alle einig: Gefragt ist das Authentische, das Unverstellte. In diesen komplexen Zeiten ist Authentizität unheimlich wichtig. Doch weißt du genau, was sich hinter dem Wundermittel „Authentisch sein“ genau verbirgt? Um das Wort, dass mir kaum ohne Spucke über die Lippen kommt und dass ich häufig falsch schreibe (Danke an die Rechtschreibprüfung), ranken sich einige Mythen.

Zeit, einmal genauer auf den Begriff zu schauen: Wenn du an Authentizität denkst, was fällt dir spontan dazu ein? [Denkpause] Wahrscheinlich sind es solche Beschreibungen oder Begriffe: Echtheit; Wahrheit; passend; ohne Maske; ist in Wirklichkeit auch so; unverstellt; glaubwürdig; meint das, was er/sie sagt, unverfälscht, ehrlich…

Im Duden steht: Der Begriff Authentizität beschreibt „Echtheit“ bzgl. „Original“ (von griechisch „authentikós“ = „echt“ und lateinisch „authenticus“ = „verbürgt bzw. zuverlässig“).

Authentizität, einfach definiert, wird häufig als unverstellt und als ein „Sich so zeigen, wie man ist“ beschrieben. Als eine reine Ausdruckskategorie i.S.v. sich „authentisch verhalten“. Heißt: Jeder kann mir also ansehen und spüren, wenn ich schlecht gelaunt bin.

Doch das ist (mir) zu einäugig betrachtet. Im Recht des 16. Jahrhunderts bezog sich „authentisch sein“ auf Schriften und bedeutete „zuverlässig verbürgt, eigenhändig“. Man brauchte einen Zeugen, der bestätigte, das ein Schriftstück authentisch ist. Betrachtet man Authentizität auch aus diesem Blickwinkel, so handelt es sich um eine Zuschreibung von außen. Es geht also auch um Wirkung. Es ist ein erweitertes Verständnis vom „authentisch sein“; nämlich „in den Augen anderer authentisch wirken“.

 

 

Die zwei Paar Schuhe der Authentizität: Selbstausdruck und Wirkung

Kennst du jemanden, der in deinen Augen authentisch ist? Wer ist für dich eine ehrliche Haut? Glaubst du, dass dieser Mensch sich wirklich so gibt, wie er ist? Oder liegt es vielleicht auch an deiner Betrachtungsweise?

Auch bei anderen ist das so. Oder glaubst du, dass George Clooney immer der smarte Men ist, den er in seinen öffentlichen Auftritten verkörpert? Oder dass Günther Jauch auch privat immer alle Eigenschaften eines Traumschwiegersohns oder Partners lebt? Oder dass Helene Fischer immer strahlend unterwegs ist? Oder dass Stefan Raab immer eine Plaudertasche ist? …

Jetzt kommen wir mal zum Punkt: Das „So sein wie man ist“ als Selbstausdruck ist nicht dasselbe, wie in den Augen anderer authentisch zu wirken. Ob Andere authentisch sind, entscheidest du. Und ob du in den Augen anderer authentisch wirkst, hängt von deren Meinung ab.

Authentisch sein beinhaltet für mich immer beide Aspekte: die authentische Wirkung aufgrund meiner inneren Einstellung. Ich möchte nicht (nur) das „Zeig dich so wie du bist“. Das wäre egoistisch. Wahrscheinlich wäre ich ziemlich einsam und erfolglos. Ich habe viele Rollen in meinem Leben – Referentin, Nachbarin, Kollegin, Freundin, Partnerin, Ehefrau, Kundin, … Es kommt darauf an, wie gut ich mich mit diesen Rollen anfreunden kann und wie ich auf andere wirke.

 

Übrigens: Sogar der wirkliche, der echte Elvis verlor einmal bei einem Elvis-Contest. Scheinbar war die Elvis-Kopie besser als das Original. Die Kopie wirkte authentischer. Dabei war es eine pure Inszenierung.

Es gibt also keine Authentizitäts-Prüfstelle; ein Echtheit-Zertifikat. Manchmal ist das schade, wenn ich einmal an Politiker, Wirtschaftsbosse oder Chefs denke. Alle spielen Rollen im Theater, das Leben heißt. Die einen gut, die anderen könnten noch lernen.

 

Du bist umso authentischer und glaubwürdiger, je eher deine Rolle zu deiner Überzeugung - zu dir passt. Klick um zu Tweeten

 

Wie der Eindruck vom Authentischen entsteht

Anhand welcher Merkmale ist für dich jemand authentisch? Woran machst du das fest?

Wenn wir jemanden als authentisch bezeichnen, dann tun wir das aufgrund dessen, was wir von ihm in dieser Position erwarten und was wir wahrnehmen: Was sagt er? Welche Worte benutzt er? Wie ist seine Körpersprache? Wie ist er gekleidet? Welche Uhr? Und wer uns ein stimmiges Bild von sich vermittelt, dass unseren Erwartungen nahe kommt – wer also seine Rolle glaubhaft und gut spielt, den halten wir authentisch.

Aber Achtung beim ersten Eindruck: Schon innerhalb eines Wimpernschlages bilden wir uns ein Urteil vom Anderen. Wir selektieren nach ganz groben Kategorien und nehmen nur oberflächlich wahr. Erst nach intensiverer Betrachtung, in verschiedenen Kontexten und Rollen ist es möglich, eine verlässliches „Authentisch-Urteil“ zu fällen.

 

Natürlich zu sein, ist die schwierigste Pose, die man einnehmen kann.  – Oscar Wilde

 

 

Die ganze Welt ist eine Bühne: Wie du deine Rolle authentisch und gut spielen kannst

Bei der Sehnsucht nach Authentizität meinen wir einen authentischen Auftritt im Rahmen der vorgegebenen oder ausgesuchten Rolle. Eine authentische Wirkung ergibt sich nicht von selbst. Authentizität hat eine große professionelle Komponente. Sie will durchdacht, geplant und inszeniert werden. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, können sicher ein Lied davon singen.

Was kannst du jetzt aus den Erkenntnissen der zwei Paar Schuhe „Selbstausdruck plus Wirkung“ ziehen? Wie kannst du authentisch sein und wirken? Jetzt sind wir im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, im Selbstmarketing und im Schauspielfach angekommen.

Als Beispiel zunächst ein kleiner Ausflug in meine Improvisationstheater-Praxis:

Vor einiger Zeit stand ich auf der Bühne in der Figur einer Chefin. Mir wurde die Rolle von meinem Spielpartner gegeben. Ich mochte sie nicht (aber im Improtheater nimmt man die Angebote an und reagiert spontan und flexibel). Die Chefin war streng und… Es war mir nicht klar, wie sie ist. Ich hatte kein Bild vor Augen. Ich wusste nicht wie sie aussah? Und darin lag die Schwierigkeit, sie glaubhaft zu spielen. Ich hatte für mich nicht klar definiert, wie sie ist. Welche Eigenschaften und Macken diese Figur hat. Was sie will und wie ihre innere Haltung ist. Wie sie sich kleidet und gibt. Und wie sie zu ihrem Mitarbeiter (meinem Spielpartner) steht. Sprich: Meine Erwartungen und die ganze Rolle war mir unklar. Das brachte auch meinen Spielpartner ins Schwitzen. Wie die Szene verlief? Es war Mist.

Was kannst du daraus lernen?

 

1 | Kenne deine Rollen

Beantworte dir einmal folgende Fragen:

  • Welche Rollen nimmst du alle wahr?
  • In welchen dieser Rollen bist du gut? Warum? Und: In welchen nicht? Warum?
  • Wann trägst du eine Maske? Welche Rollen spielst du nur mit, obwohl du das nicht willst?
  • Wann spielst du nicht deine Rolle, sondern die, die andere dir zuschreiben?
  • Welche Seiten deiner Persönlichkeit kannst du in welchen Rollen ausleben?

 

2 | Kenne die Erwartungen

Finde heraus, was dein Umfeld von dir erwartet. Denn die Erwartungen an dich richtig einzuschätzen, ist ein wesentlicher Schritt zu einer professionellen Gestaltung deiner Wirkung. Was erwarten deine Kollegen, dein Partner, deine Freunde von dir in den verschiedenen Rollen?

 

3 | Kenne dich

Lege auf diesen Punkt ein ganz großes Augenmerk. Denn, um authentisch in deiner Rolle zu wirken gehört in erster Linie, dass du dich selbst kennst und dich so annimmst, wie du bist. Du kannst dir sicher denken warum: Nur so kannst du dir passende Rollen aussuchen und aktiv gestalten. Also:

  • Wie bist du?
  • Was sind deine Stärken und Vorlieben?
  • Welche Werte sind dir wichtig?
  • Wie wirkst du auf andere? Welches Bild haben Kollegen, Freunde oder Nachbarn von dir?
  • In welchen Situationen bist du gut?

 

 

Arbeite an deinem „Authentisch sein“

Jetzt lege dir die Antworten aus den drei Schritten einmal nebeneinander und entwickle dein „Rollenskript“. Überlege dir, wie du dein „Authentisch sein“, also deine Rollen anlegen willst. Stelle dir diese Fragen:

  • Welches Rollenfach besetzt du?
  • Wie sollen dich Andere sehen und wie kannst du den gewünschten Eindruck verstärken?
  • Welche Rollen willst du nicht spielen?
  • Welche Äußerlichkeiten vermitteln den Eindruck glaubhaft?
  • Wie verkörperst du deine Rolle?
  • Welche Teile von dir kannst du in welchen Situationen aktiver einbringen, weil sie den Eindruck von dir verstärken?
  • Welche Facetten deiner Persönlichkeit passen nicht zu welchen Situationen oder zu deiner Rolle? Was machst du mit diesen Teilen?
  • Was gibt’s du wann und wem gegenüber von dir preis?

 

Es ist leichter, die dir zugeschriebene Rolle auszufüllen, je näher sie deiner wahren – authentischen – inneren Überzeugung ist. Wenn du etwas vertreten muss, von dem du gar nicht überzeugt bist, wird dir das deutlich schwerer fallen. Habe bei allem Skripten, Entwickeln und Verändern immer im Blick: Du bist umso authentischer und glaubwürdiger, je eher dein Auftritt zu deiner Überzeugung – zu dir passt und je passender du deine Rolle verkörperst. Im Idealfall erlebst du alle deine Rollen nicht als Maske, sondern stimmig und kannst dich in ihnen verwirklichen. Und wenn du dich in deiner Haut wohlfühlst, wirkst du selbstsicher und wirst authentisch erlebt.

 

Und wenn du den Eindruck hast, dass das Leben Theater ist, dann such dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht.  – William Shakespeare

 

 

In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du deine passenden Rollen findest und authentisch leben kannst.

Alles Liebe

Deine Bianca

Die Stärkenreporterin

 

 

Bild: unsplash.com

 

 

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die manchmal an sich und ihren Fähigkeiten zweifeln oder sich nicht gut genug fühlen und unsicher auftreten. Ich unterstütze sie dabei, zu entdecken, was in ihnen steckt, selbstbewusster zu werden und sich im besten Licht zu präsentieren, um andere von sich oder ihren Ideen zu überzeugen.
Wenn du weißt, was du kannst und selbstbewusst auftrittst, dann ist meine Mission erfüllt.
Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert