Es ist der Horror schlechthin: Eben redest du noch ganz flüssig und plötzlich… Nichts. Du schaust in die Gesichter der Zuhörer. Nichts. Ein großes schwarzes Loch tut sich auf. Vergeblich suchst du den Schalter, um das Licht wieder anzuknipsen. Gefühlt vergehen Stunden. Was für ein Albtraum! Ein Blackout ist so ziemlich das Furchtbarste, was sich alle Redner vorstellen können. Auch wenn es absurd klingt: Ein Blackout ist ein natürlicher Schutzmechanismus unseres Gehirns. Doch wie findet man schnell wieder den Lichtschalter? Ich gebe dir meine 5 Blackout-Tipps, damit du so galant wie möglich, wieder Licht hast.

Blackout | 5 Tipps bei Black-Out | Bianca Grünert

 

Blackout ist, wenn unser Gehirn offline geht

Auch wenn es gemein klingt, rechne mit einem Blackout, denn jede Redesituation ist Stress. Und egal, wie gut du vorbereitet bist – irgendwas ist bekanntlich immer. Da steht jemand mitten in deiner Rede auf. Oder es kippt ein Glas um. Oder du merkst mittendrin, dass du einen wichtigen Teil in deiner Präsentation vergessen hast. Oder dein Laptop meldet „Akkustand unter 10 %. Bitte schließen Sie Ihr Ladegerät an“. …und Zack! Es wird dunkel. Dein Gehirn schaltet in den Offline-Modus.

Das ist ein Trick des Gehirns, den es in Notfallsituationen anwendet. Und Reden oder Präsentationen sind außergewöhnliche Situationen. Dann schüttet unsere Nebennierenrinde große Mengen Adrenalin und Kortisol (Stresshormon) aus. Steigt der Hormonpegel allerdings plötzlich zu stark an, geht unser Gehirn einfach offline. Zack! Es wird dunkel. Die Nervenzellen reagieren nicht. Es werden keine Information mehr weitergeleitet.

Dagegen kannst du dich nicht wehren, denn dieser Mechanismus steckt schon seit Millionen Jahren in uns. Er half unseren Vorfahren, sich vor dem Säbelzahntiger aus dem Staub zu machen. Denn Säbelzahntiger hieß einfach nur rennen – nicht denken! Denken verbraucht Energie und diese brauchen gerade nur die Muskeln.

Die gute Nachricht ist: Dein Gedächtnis ist nicht völlig gelöscht. Es ist nur gerade Stau auf deinen Nerven(auto)bahnen – Wissen kann nicht transportiert werden. Und auch ein Stau ist irgendwann aufgelöst, so wie sich unser Auge an Dunkelheit gewöhnt und irgendwann den Lichtschalter findet.

 

Ein Blackout ist ein natürlicher Schutzmechanismus unseres Gehirns. Doch wie findet man den Lichtschalter? Klick um zu Tweeten

 

5 Tipps bei Blackout

Oder: Wie du das Licht wieder anknipst

Ein Blackout kann also immer zuschlagen. Jetzt kennst du das Warum. Es wird dir helfen, weniger überrascht zu sein.

Die zweite gute Nachricht: Auf diesen Worst-Case kannst du dich vorbereiten. Ich habe meistens „Sicherungen“ dabei. Sicherungen in Form von einem zweiten Paket Stichwortzetteln oder Moderationskarten, auf denen meine Schlüsselworte knallbunt markiert sind. Im Fall des Falles weiß ich dann, wo ich schnell das nächste Schlüsselwort her bekomme.

Der nächste Tipp heißt Zeit gewinnen. Trinke einen Schluck Wasser. Atme. Ich schreibe oder unterstreiche manchmal einfach etwas am Flipchart. Nutze den Zeitgewinn um zu entspannen und so deinen Informationsverarbeitungs-Stau aufzulösen.

Um wieder in den Fluss zu kommen, kannst du auch die letzten Worte wiederholen. Menschen brauchen Wiederholungen, um sich Sachverhalte zu merken. Warum also nicht den letzten Satz nochmal sprechen. Vielleicht kannst du deinen Faden dann wieder aufnehmen.

Du kannst auch deinen Zuhörern eine Frage stellen. „Wie sehen Sie das?“ „Wie viele kennen das?“ „Was haben Sie für Ideen dazu?“ Damit gibst du das Wort erstmal ab.

Alle diese Tipps sind sehr brauchbar. Verhindern können sie jedoch eines nicht: Dass deine Zuhörer merken, dass dein Gehirn offline ist. Und hier kommt mein wichtigster Tipp. Ohne eine Flut von Entschuldigungen: Gib es zu! Ein Blackout ist nicht unprofessionell, sondern passiert auf ganz natürliche Weise. Also: Entschuldige dich nicht und stottere nicht lange herum. Sprich es aus: „Ich weiß nicht weiter.“ Oder: „Vor lauter Aufregung ist mein Gehirn gerade in den Offline-Modus gegangen.“ „Wo waren wir gerade?“ Dann nimm dir Zeit und lass dir von deinen Zuhörern oder deinen vorbereiteten Sicherungen helfen.

 

 

Warum ein Blackout auch ein Gewinn sein kann

Vielleicht bist du schon über diese Überschrift gestolpert. Was? Ein Gewinn? Niemals! Es ist Horror! Doch Achtung: Ein Blackout hat auch etwas sehr positives. Er ist zutiefst menschlich. Er ist ein besonderer Augenblick, indem alle Zuhörer hinter deine Maske schauen dürfen. Und dahinter sehen sie einen Menschen, der nicht perfekt ist und sein wahres Gesicht zeigt. Ehrlich und gerade raus. Und das live – ohne Schnitt und Bildbearbeitung. Das macht dich zutiefst sympathisch.

Und ist die menschliche Komponente nicht gerade das, was wir neben den ganzen Fakten bei Rednern häufig vergeblich suchen?

 

 

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die vor Menschen sprechen.
Mein Job ist es, dass sie selbstbewusst auftreten, „Handwerkszeug“ und Technik für gutes Präsentieren bekommen, sicherer beim Reden werden und Ausstrahlung gewinnen.
Kurz: Ich mache Menschen fit für die kleine und die große Bühne, damit sie selbstbewusst auftreten und reden.

Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert