Was fürchten wir beim Präsentieren am meisten? …das wir den Faden verlieren und aus dem Konzept kommen. Und wie klasse ist es doch für den Zuhörer, wenn Redner frei reden. Doch wie soll man sich das alles merken bei der ganzen Aufregung?

Es gibt eine einfache Technik, mit der du dein Stichwort-Konzept in einen Gedächtnispalast packen kannst – die Loci-Technik. Und mithilfe deines Gedächtnispalastes kannst du frei reden und behältst alle Fäden in der Hand bzw. im Kopf – ohne aus dem Konzept zu kommen.

Merktechnik - frei reden | Bianca Grünert | selbstbewusst-wirken.de

 

Die Loci-Technik

Dieser Technik bedienten sich schon die alten Griechen. Unser Gehirn kann sich nämlich besonders gut an Orte, die mit Bildern verknüpft sind, erinnern. Was es dagegen nicht so gut kann: Sich viele Dinge auf einmal merken. Dabei geht in unserem Gehirn vieles durcheinander oder wir erinnern uns nur lückenhaft an Details. Sicher kennst du das: Du bist in einer Prüfung und grübelst über die Antwort. Dabei erinnerst du dich genau, wo in deinen Unterlagen die Antwort steht. Vielleicht hast du auch ein genaues Bild vor Augen.

Bei der Loci-Technik wird ein Begriff mit einem Ort assoziativ mit inneren Bildern verbunden. Details – wie etwa deine Stichworte einer Präsentation – verankern sich so besser im Gedächtnis.

 

 

Einen Gedächtnispalast bauen

Die Loci-Technik – oder auch Routen-Technik – besteht aus zwei Schritten.

Zuerst stellst du dir einen vertrauten Ort oder Raum vor (z. B. bei dir zu Hause oder am Arbeitsplatz). Oder du nimmst einen bekannten Weg. Das kann dein Weg zur Arbeit sein. Oder eine Strecke, die dir bekannt ist, weil du sie immer wieder zurück legst (z. B. die Haltestellen auf einer Bahnfahrt). Hauptsache, du kannst dir die Route gut vorstellen, sie bietet markante Punkte und verändert sich nicht so schnell. 

Routen-Technik - frei reden | Bianca Grünert | selbstbewusst-wirken.deEgal welche Strecke du benutzt, lege einzelne Punkte in einer bestimmten Reihenfolge fest. Du brauchst so viele Punkte auf deiner Route, wie viele Stichworte du hast bzw. wie umfangreich deine Rede ist.

 

Eine „Wohnzimmer-Route“ mit sieben Stichworten könnte etwa so aussehen: Fernseher – Heizung – Lampe – Bild – Sofa – Tisch – Hocker.

 

 

Beim zweiten Schritt „baust“ du dir aus deinen Stichwörtern innere Bilder oder kleine Geschichten und verknüpfst sie mit den Punkten auf deiner Route. Jeweils ein Stichwort bekommt einen Punkt. Zwischen jedem Punkt und dem zu merkenden Stichwort muss es keine sinnvolle Verbindung geben. Baue dir deine eigene Verknüpfung. Umso verrückter deine Bilder und Geschichten sind, umso besser wirst du dich daran erinnern.

Im „Wohnzimmer“-Beispiel beginnt die Route mit dem Fernseher. Angenommen das erste Schlüsselwort deiner Präsentation wäre „Begrüßung“. Fällt dir eine gute Verknüpfung zwischen Fernseher und Begrüßung ein? (M)Eine Verknüpfung wäre beispielsweise: Fernseher an – Herzlich willkommen beim Musikantenstadl… (das Ganze noch in einer visuellen Version).  Mache das mit allen Stichworten, die du brauchst. So baust du dir Punkt für Punkt deinen Gedächtnispalast.

 

 

Die Körper-Route

Körper-Route Merktechnik frei reden

 

Meine Lieblings-Route habe ich immer dabei. Es ist die Körper-Route.

Du kannst an dir auch noch mehr als nur sieben Punkte unterbringen. Gehe einfach weiter ins Detail (z. B. statt nur Kopf – Gesicht, Haare, Nacken).

Beim Einprägen deiner Verknüpfungen ist es gut, wenn du dich an einzelnen Punkten anfasst und mit Berührungen deine Route abwanderst.

 

 

 

Frei Reden: Den Stichwortzettel im Kopf nutzen

Durch das geistige Abwandern deiner Route während des Redens kannst du dich dann an alle Stichworte anhand deiner bildlichen Verknüpfungen erinnern – sogar in der genauen Reihenfolge. Du siehst quasi Stichwort für Stichwort vor deinem geistigen Auge auf den jeweiligen Routen-Abschnitten und kannst frei sprechen.

Übrigens: Dein Gedächtnispalast ist auch als Einkaufszettel, Prüfungsvorbereitung… – für alle möglichen Lerninhalte brauchbar.

 

 

Wird der Gedächtnispalast nicht zu voll?

Du kannst deine Routen immer wieder neu „beschreiben“. Sobald du eine Strecke nicht mehr brauchst und nicht wiederholst, werden die Bilder und Assoziationen mit den Inhalten nach und nach immer unschärfer – bis sie ganz verschwinden. Bei zwei Vorträgen an einem Tag würde ich auf jeden Fall zwei verschiedene Routen nehmen.

 

 

Trainings-Idee

Bianca Grünert | Trainingslager | Selbstbewusst wirken. Erfolgreich präsentieren.

Bevor du die Technik live in Präsentationen anwendest, mache noch eine kleine Übungseinheit. Hier meine Trainings-Idee:

Schreibe dir einen Einkaufszettel mit sieben Artikeln. Verbinde die Artikel mit den Punkten auf einer Route. Nimm beim ersten Mal am besten die Körper-Route. (Wenn ein Artikel „Wasser“ ist und der erste Punkt auf der Körperroute „Füße“, könnte (m)eine Verbindung so aussehen: Ich stelle mir vor, wie ich mit hoch gekrempelten Hosen durchs Wasser gehe und dabei kalte Füße bekomme. usw.)

Dann gehe einkaufen und packe alle Artikel ein. Den Einkaufszettel kannst du ja zur Sicherheit mitnehmen. Wenn du dich an den einen oder anderen Artikel nicht erinnern kannst, dann prüfe ob deine inneren Bilder stark genug waren. Verändere sie beim nächsten Mal – mache sie bunter, emotionaler oder verrückter.

Wenn es klappt, dann kannst du die Loci-Technik auch „in echt“ bei Reden und Präsentationen (oder in einer Prüfung) nutzen.

 

Bilder: pixabay und privat

 

 

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die manchmal an sich und ihren Fähigkeiten zweifeln oder sich nicht gut genug fühlen und unsicher auftreten. Ich unterstütze sie dabei, zu entdecken, was in ihnen steckt, selbstbewusster zu werden und sich im besten Licht zu präsentieren, um andere von sich oder ihren Ideen zu überzeugen.
Wenn du weißt, was du kannst und selbstbewusst auftrittst, dann ist meine Mission erfüllt.
Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert