Wenn du öffentliche Verkehrsmittel nutzt, dann kennst du das. Gerade im Berufsverkehr ist es richtig voll. Da wird gedrängelt und geschoben – nicht nur wegen der Sitzplätze.

Gestern passierte mir folgendes: Die Bahn war sehr voll. Meine Haltestelle nahte. Als ich mich an einer unbeteiligt wirkenden Dame sanft in Richtung Ausgang vorbei schob, raunzte sie mich an: „Ich will hier auch raus!“ Upps.

Körpersprache in der Bahn

 

Was ist passiert? Kein klare Körpersprache

Bekanntlich können wir nicht nicht kommunizieren (nach Paul Watzlawick). Zunächst lief unsere Kommunikation nonverbal. Und Körpersprache dient uns auch dazu, soziale Situationen zu steuern und zu regulieren.*

Gerade bei der Kontaktaufnahme und unter Fremden ist eine klare Körpersprache wichtig. Was will ich, oder was gerade nicht, sprechen wir oft mit unserem Körper aus. Doch diese ganz klare Körpersprache sprich: Ich-will-hier-raus-Signale habe ich nicht erkannt. Oder habe ich sie nicht richtig wahrgenommen? Und was habe ich selbst gesendet bzw. gesprochen – oder auch nicht?

 

 

Wie geht es besser?

Bleibe ich zunächst bei mir. Um mein Aussteigen anzukündigen, hätte ich als erstes Blickkontakt aufnehmen und eine Weile halten müssen – sprich Kontakt aufnehmen. Dabei ein freundliches Lächeln hätte ihr signalisiert: Keine Gefahr. Dann hätte ich mit einer Geste mein Aussteigen-Wollen signalisieren oder es verbalisieren können.

Die Dame selbst hätte bei meinem Versuch, mich an ihr vorbei zu schieben mehr mit ihrem Körper sprechen können (Geste oder Haltung). Dann hätte ich ihren Aussteige-Wunsch sicher besser wahrgenommen.

Also: Eindeutige nonverbale Signale hätten unsere Kommunikation gut getan. Klare Körpersprache hilft im täglichen Miteinander – nicht nur im Berufsverkehr der Bahn.

 

 

Was lief noch schief?

Dass ich der Dame noch näher „auf die Pelle gerückt“ bin, als ohnehin schon, tat sein übriges. Damit habe ich ihre persönliche Grenze verletzt. Wer wird da nicht unwirsch. Unser Raumverhalten und Distanzregeln sind spannende und beachtenswerte Aspekte im täglichen Miteinander. Ausführlicher darüber schreibe ich ein anderes Mal (Das ist mein Tanzbereich… oder: Wie viel Raum braucht der Mensch?). Nur so viel: Mit Blickkontakt hätte ich eine Verbindung zu ihr herstellen können, was die körperliche Grenzüberschreitung sicher halb so wild gemacht hätte.

 

Mehr zur Funktion von Körpersprache findest du im Kapitel 8 über Nonverbale Kommunikation im Buch von Joseph P. Forgas: Soziale Interaktion und Kommunikation – Eine Einführung in die Sozialpsychologie

 

 

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die vor Menschen sprechen.
Mein Job ist es, dass sie selbstbewusst auftreten, „Handwerkszeug“ und Technik für gutes Präsentieren bekommen, sicherer beim Reden werden und Ausstrahlung gewinnen.
Kurz: Ich mache Menschen fit für die kleine und die große Bühne, damit sie selbstbewusst auftreten und reden.

Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert