Selbstbild und Fremdbild: zwei Paar Schuhe

„Du wirkst so souverän.“ kommentierte jemand eines meiner Live-Videos auf Facebook. Puh. Bin ich gar nicht. Das sind Momente, in denen ich mich ganz klein fühle. Wahrscheinlich hast du so etwas auch schon mal erlebt: Gefühlt hast du dich schwach, aber auf andere hast du ganz stark gewirkt.

Vielleicht auch anders herum. In deinen Augen gibst du alles und unterstützt deine Kollegen wo du kannst. Doch dann bezeichnet dich jemand als egoistischen Möchtegern. Oder denke mal an Castingshows. Es macht ein Unterschied, ob jemand sich für den geilsten Sänger unter der Sonne hält und dann nur heiße Luft aus den Backen quetscht.

So oder so: Das Bild, was wir von uns haben, ist selten das, das andere wahrnehmen oder wie wir auf sie wirken. Selbstbild und Fremdbild sind oft zwei Paar Schuhe. Wir haben alle blinde Flecken bezüglich unserer Wirkung und unserer Eigenschaften. Blöd jedoch, wenn man das Selbstbild für das einzig wahre hält. Und wenn das Bild dann unrealistisch und eher das Wunschbild ist. Doch in dem, wie uns andere wahrnehmen steckt so viel Potential. Potential für dein Selbstbewusstsein und dein Weiterkommen.

Erfahre gleich, wie du dieses Potential nutzen kannst und welche Fehler du vermeiden solltest.

 

Selbstbild und Fremdbild: Wie wirke ich? Echt, so!

 

Was ist das Selbstbild?

Die Psychologen bezeichnen die Vorstellung, die jemand von sich hat als Selbstbild. In jedem von uns schlummert so ein Bild. Bei manchen ist es konkret und bunt – manche haben nur eine vage Vorstellung. Es sagt uns, wie wir uns und die Welt sehen. Und wie wir sind und sich andere uns gegenüber verhalten (werden).

 

 

Wenn wir uns kleiner machen

Unser Selbstbild haben wir durch unsere Erfahrungen und Bewertungen gemalt – positive, wie negative.

Und Achtung! Hier liegt schon die erste Fehlerquelle: Positives hören wir viel seltener als Negatives. (Wir sind wahrscheinlich einfach zu faul, um zu loben oder nehmen es selbstverständlich hin. Nicht gelobt, ist gut gemacht, oder so…)

Und wenn das Selbstbild zu großen Teilen aus den Feedbacks unserer Mitmenschen besteht und wir mehr Rückmeldungen zu unseren Fehlern und Unvollkommenheiten bekommen, dann… Viele neigen dazu, sich kleiner zu machen. Im Zentrum ihres Selbstbildes stehen ihre Schwächen. Doch gerade die Eigenschaften, die wir bei uns selbst skeptisch betrachten, sind nicht selten auch die, wofür uns andere schätzen und bewundern.

 

 

Wunschbild: Manchmal wären wir einfach gerne ein Superstar

Viele streben auch nach einem positiven Selbstbild. Nach einem ganz Positiven. Und das ist auch gut so. Sich wie ein Superstar zu fühlen, ist okay. Es lässt dich mutig sein. Es lässt dich über dich hinauswachsen. Und in vielen Fällen bringt es dich auch deinen Zielen näher.

Fake it till you make it. Ich bin ein Fan davon, an manchen Tagen die rosa Brille rauszuholen und sich wie der geilste Typ auf diesem Planeten zu fühlen. An manchen Tagen heißt aber auch, dass du den Boden und die Realität nicht aus den Augen verlierst.

Falls du gar nicht mehr aus dem Schweben kommst, hast du hoffentlich ehrliche Freunde, Kollegen oder sonstige Menschen, die dich zurückholen. Menschen, die dir spiegeln wie du wirkst und was sie über dich denken. Sonst sehe ich dich wahrscheinlich in einer der vielen Castingshows, wo du zusammen mit anderen Kandidaten ein lächerliches Bild gibst. Auch wenn Dieter Bohlen nicht für wertschätzende Rückmeldungen bekannt ist, spätestens dann wirst du mit dem Fremdbild konfrontiert. Das kann hart sein.

 

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Fremdbild: Wie die anderen dich sehen

Alles, was du sagst und tust – dein ganzes Auftreten – wird auf die eine oder andere Weise von anderen beurteilt oder interpretiert. Du malst also auch ein Bild von dir in die Köpfe der Menschen, denen du begegnest. Das Fremdbild ist die Summe aller Bewertungen, Wahrnehmungen und Gefühle, die andere von dir als Mensch haben. Es entscheidet, wie andere mit dir umgehen und welche Erwartungen sie an dich stellen.

Auch deren Wahrnehmungen sind dabei ganz automatisch mit deren Erfahrungen verbunden. Häufig projizieren andere etwas in dich hinein – etwas, was sie selbst gern hätten oder verabscheuen. Eine einzelne Meinung über dich und deine Wirkung kann also nicht akkurat sein, denn jeder sieht die Welt – und dich – auch nur mit seiner eigenen Brille. Das Bild was andere von dir wahrnehmen, ist also alles andere als objektiv.

Doch wie oft geben wir der Meinung eines Einzelnen großes Gewicht, statt noch andere Feedbacks zu hören? Dazu später noch etwas mehr aus meinem Leben.

 

 

Wie du dein realistisches Selbstbild malst und warum du im blinden Bereich eine Brille brauchst

Um ein realistisches Selbstbild zu malen, empfehle ich dir zuerst eine Bestandsaufnahme deines Selbstbildes:

  • Wie siehst du dich?
  • Welche Eigenschaften zeichnen dich aus?
  • Wie wirkst du auf andere?
  • Auf welche Erfahrungen kannst du bauen?

Bitte sei ganz ehrlich mit dir. Sei schonungslos! Finde die Antworten ohne die rosa Brille.

Außerdem empfehle ich dir (ich sollte besser schreiben: musst du), dir Feedback zu holen. Feedback, Feedback, Feedback… Viel Feedback. Lade viele Menschen zu offenen Worten ein. Das ist nicht leicht – und manchmal auch schmerzhaft.

 

 

Wie du dir Feedback holen kannst

Hier ein paar Anregungen:

  • Frage nach Eigenschaften, die anderen einfallen, wenn sie an dich denken. Mach z.B. eine Umfrage in einer WhatsApp-Gruppe mit guten Freunden/ Bekannten.
  • Beauftrage eine, zwei oder mehr Personen in deinem Team, dir nach der Präsentation eines Projektes (o.a.) dir Rückmeldung zu deinem Auftreten zu geben. Gib hier gern auch konkrete Schlüsselwörter vor: Souverän/unsicher, kompetent/faules Ei, hektisch/ruhig…
  • Frage deine Nachbarn, Freunde, Kollegen, Kunden, Netzwerke… verschiedene Gruppen, die dir einfallen.

Bitte Andere, dir zu ganz konkreten Situationen oder auch allgemein Rückmeldung zu deinem Auftreten und deiner Wirkung zu geben. Oder frage sie, was sie über dich denken. Manche wundern sich vielleicht erst, doch ist es so, dass wir nach Feedback lechzen. Vielleicht wirst du sogar darum gebeten, dies anders herum auch zu geben. Wie du das wertschätzend und doch auf den Punkt machen kannst, dazu findest du im Beitrag Warum Feedback wie ein gutes Essen ist viele gute Tipps.

 

 

Die Qualität des Fremdbildes bestimmt dein Selbstbild

Eben noch zur Quantität der Rückmeldungen, springe ich nun zu deren Wert. Da dein Selbstbild viel von der Qualität des Feedbacks abhängt, solltest du genau filtern. Lege nicht jede Meinung auf die Goldwaage oder hänge sie ganz groß auf.

 

Bei meiner letzten Rede habe ich von Menschen, die ich wirklich sehr schätze und deren Feedback mir sehr viel wert ist, die Rückmeldung bekommen. Und die hat mich zuerst sehr aus der Bahn geworfen. Ich war nicht lustig genug und meine Story hatte kein gutes Ende. Ich habe auch körpersprachlich nicht gut performt. Ich wirkte wohl bedrückt. Puh, das saß und hat mich lange beschäftigt. Doch mit etwas Abstand habe ich die gut gemeinten Tipps in die Tonne geworfen.
All das was ich hätte machen sollen, wollte ich nicht. Ich wollte eine berührende Geschichte erzählen – mal keinen Spaß machen. Und ich habe das Ende mit Absicht offen gelassen, denn ich hatte keine Lösung und wollte auch keine erfinden bzw. vorgeben. Mein Publikum sollte nachdenken und über sich reflektieren. Zu allem hätte eine Körpersprache-Show auch überhaupt nicht gepasst.
Es war meine stille und nachdenkliche Seite, die ich genauso zum Ausdruck bringen wollte. Das Feedback war das Bild, was andere gern von mir gesehen hätten. Doch ich habe entschieden, es nicht so hoch zu hängen. Mir haben in diesem Fall auch andere Rückmeldungen geholfen. Meinungen von Menschen, die ich gar nicht um Feedback gefragt habe, die aber genau das schätzten, was ich auf der Bühne „geliefert“ habe.

 

Ich möchte dir damit Mut machen und zeigen, dass nicht jedes Feedback für dich passend ist. Schau genau hin. Eine Lösung kann auch sein, dass du deinem Feedback-Geber genau sagst, was konkret du gern betrachtet haben möchtest. In meinem Fall wäre das: Konnte ich dich berühren und nachdenklich machen? – mit Körpersprache, Inhalt, Story, Stimme…

 

 

Wenn Feedback auch mal weh tut

Selbstbild und Fremdbild könnten manchmal sehr unterschiedliche Schuhe sein – Pumps und Turnschuhe. Und die Rückmeldungen sind so gar nicht das, was wir uns erhoffen. Ja, Feedback tut manchmal weh. Aber es hilft. Es hilft dich zu reflektieren. Dich näher mit deinem Selbstbild auseinanderzusetzen. Diese kleinen Nackenschläge bringen dich so viel weiter – weiter zu deinem realistischen Selbstbild und einem starken Selbstbewusstsein.

Aber nur: Wenn du daraus Nutzen für dich ziehen kannst. Nutzen im Sinne von: Was kann ich tun, damit andere das in mir sehen, was ich beabsichtige bzw. mich so sehen, wie ich wirken will? Was kann ich noch lernen?

Oft beobachte ich auch, dass Nackenschläge einen Energieschub auslösen. Menschen sind nach „nicht so tollem“ Feedback motivierter, engagierter und leistungsfähiger.

In meinem Fall denke ich darüber nach, dass mir das „Nachdenkliche“ vielleicht gar nicht so steht – nicht auf der Bühne. Mir hilft das Feedback strategisch. In dieser Situation wäre ein schmissiges Thema oder Lösungen besser gewesen. Aber darüber denke ich noch nach… Spannend finde ich es allemal.

 

 

Es lohnt sich, dich zu beleuchten!

Mithilfe von Selbstbild und Fremdbild wirst du dir deiner selbst bewusst(er). Wenn du dich selbst reflektierst, dein Selbstbild auffrischst und die gewonnenen Erfahrungen anschließend noch mit den Blickwinkeln anderer zusammenbringst, wirst du persönlich wachsen. Du wirst deine Stärken und Schwächen, vielleicht auch deine blinden Stellen (neu) kennen lernen und kannst damit gezielt an deinem besten Selbst arbeiten.

Nur wenn du dich auf diese Weise kritisch und ehrlich selbst beleuchtest, wird das, was du ausstrahlen willst auch mehr von anderen gesehen. Ein realistisches Selbstbild ist ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem starken Selbstbewusstsein und zu einer guten Kommunikation. Deine innere Haltung zeigt sich außen.

Es lohnt sich also, dich selbst zu beleuchten und kennen zu lernen!

 

Ich wünsche dir auf diesem Weg viele starke Erkenntnisse!

 

Alles Liebe

Deine Bianca

Die Stärkenreporterin

 

 

Bild: pixabay.com

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die sich im Job nicht gut verkaufen können und ihr Licht oft unter den Scheffel stellen. Die aber beruflich weiterkommen wollen und können.
Ich zeige ihnen, wie sie ohne Angeberei auf sich und ihre Leistungen aufmerksam machen. Wie sie selbstbewusst ihr Können zeigen und sich charmant im besten Licht präsentieren. Und wie sie einen Plan entwickeln, der ihnen im Job Türen und Herzen öffnet – der sie beruflich weiterbringt.
Als „Die Stärkenreporterin“ ist meine Mission erfüllt, wenn meine Kunden selbstbewusst auftreten, sich gut verkaufen und beruflich weiterkommen.
Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert