Wenn wir etwas präsentieren, wollen wir vor allem eines: Menschen gewinnen und von unserer Botschaft überzeugen! Klasse, wenn wir von unserer Idee überzeugt sind und allen davon erzählen möchten. Perfekt, wenn wir ein Thema gefunden haben und es in die Welt „tragen“ möchten. Doch was ist mit den Zuhörern? Was dich begeistert, muss nicht genauso bei deinem Publikum zünden. Wie kannst du also ihre Begeisterung wecken? Ganz einfach: Wechsel bereits in deiner Vorbereitung die Perspektive und setze dir die Brille deiner Zuhörer auf.

Mit den Augen der Anderen - Setze dir Brille deiner Zuhörer auf | Bianca Grünert | selbstbewusst-wirken.de

 

Setze die Brille deiner Zuhörer auf

Angenommen du kommst zu einer Veranstaltung und hast ein tolles Redeskript im Gepäck und spürst schon beim Reinkommen, das du dein Publikum ganz anders erwartet hattest. Vielleicht mit mehr Fachwissen, anders gekleidet oder älter vielleicht auch viel jünger. Oder: Du beginnst deinen Vortrag und präsentierst voller Begeisterung dein Projekt oder deine Idee. Doch schon nach wenigen Worten schaust du in leere oder fragende Augen. Ups. Da ist etwas schief gelaufen. Du hast in deiner Vorbereitung nur deine Brille auf gehabt. Zwei einfache – aber ganz entscheidende – Fragen hast du im Vorfeld vernachlässigt: Wer ist mein Publikum? Und: Was hat es davon meiner Präsentation zu folgen?

 

 

Wer sind meine Zuhörer?

Meistens wissen wir grob, wer unsere Zuhörer sind. Doch ein geschärfter Blick aufs Publikum lohnt sich. Frage dich genau: Wer sind die Menschen, für die ich spreche? Hier ein paar interessante Punkte, die du genauer betrachten kannst:

  • Altersstruktur (jüngere oder ältere Menschen? gemischt?)
  • Geschlecht und Verteilung (mehr Männer als Frauen oder anders herum?)
  • Berufsgruppen und Branchen (Angestellte oder Selbstständige? Akademiker, Facharbeiter, Experten,… ?)
  • regionale Besonderheiten (Bsp. Kölner und Düsseldorfer)
  • (Vor)Erfahrungen (Was wissen die Zuhörer bereits von meinem Thema?)
  • Hierarchien (Chefs? Mitarbeiter? Teams? Wer hat das sagen?)
  • freiwillige oder „verpflichtete“ Zuhörer
  • Was ist das für eine Veranstaltung/ein Termin? (Firma? Netzwerk? Angebotspräsentation auf Leitungsebene?)
  • Energielevel (Zu welcher Zeit werde ich reden? Ist es kurz vor Feierabend oder am frühen Morgen? Gab es schon x Vorredner?)
  • Welche Persönlichkeitstypen hören zu? (auf Harmonie und soziale Kontakte bedacht? Macher? Analytiker?)

Recherchiere alles, was du über dein Publikum finden kannst. Informiere dich im Vorfeld – noch vor deiner inhaltlichen Vorbereitung. Mit den Eckdaten über dein Publikum hast du die Basis deiner zukünftigen Präsentation. Und das ist noch nicht alles. Gehe noch weiter. Wie gut kennst du deine Zuhörer wirklich?

 

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Was haben meine Zuhörer davon?

Es ist schön, wenn du von deiner neuen Idee begeistert bist und allen davon erzählen möchtest. Doch viel wichtiger ist: Was haben deine Zuhörer davon? Das ist eine (entscheidende) Frage, die du dir stellen solltest, um deine Botschaft richtig zu platzieren. Tust du es nicht – dein Publikum macht das auf jeden Fall. Sicher warst du selbst schon einmal ein Zuhörer. Und sicher hast du gedacht ‚Was nützt mir das?‘ Nicht erst am Ende einer Präsentation, sondern von Beginn an. Lerne also im Vorfeld dein Publikum noch besser kennen.

Wie machst du das? Nachdem du weißt, wer dein Publikum ist, suche dir gedanklich zwei, drei oder vier Prototypen deiner Zuhörer aus. Setze nun nacheinander deren Brille auf. Wechsle also die Perspektive und sei in Gedanken dein Publikum. Spiele die folgenden Fragen aus dem Blickwinkel deines Publikums durch. Informiere dich so als Redner mehr über deine Zuhörer:

  • Welche Verbindungspunkte zwischen Thema und Publikum gibt es?
  • Was wollen die Zuhörer von mir lernen? Oder wollen sie nur unterhalten und inspiriert werden?
  • Wofür interessieren sie sich? Und: Ist mein Input für die Anliegen und Interessen meiner Zuhörer passend?
  • Mit welchen Problemen kämpft das Publikum aktuell? Wofür sucht es dringend Antworten/Impulse/Ideen? Und was sind meine Lösungen oder Angebote?
  • Welche Einwände oder Widerstände könnten auftreten? Wie regiere ich? Was sind meine Antworten?
  • Was hat mein Publikum noch davon, mir zu zuhören?

Bist du mit der Brille deiner Zuhörer von dir, deinen Inhalten und Argumenten begeistert? Wenn ja, bestens! Dann kannst du inhaltlich mit deiner Vorbereitung richtig losgehen. Ansonsten lerne dein Publikum erstmal noch besser kennen und finde Antworten.

 

 

Und warum das Ganze? oder: Was bringt dir das als Redner?

In erster Linie bringt dir das als Redner eine Menge Sicherheit für deinen Auftritt. Die „Gefahr“ fragender Gesichter oder unguter Überraschungen kannst du minimieren.

Ein paar Beispiele: Wenn du dich gut über deine Zuhörer informiert hast, kennst du den Dresscode; erscheinst passend gekleidet. Deine Wortwahl und Argumentation kannst du im Vorfeld anpassen, wenn du weißt, dass überwiegend junge Menschen anwesend sind. Sprichst du vor ausschließlich Experten, brauchst du kaum einen theoretischen Unterbau präsentieren – anders wäre dies bei Menschen mit wenig Vorwissen. Deine Präsentationstechniken kannst du passender wählen. Warum nicht einmal mit Musik oder Videos arbeiten. In klassischen Vorträgen ist vielleicht eine Power Point besser. Deinen Einstieg in die Rede kannst du individuell auf deine Zuhörer, ihre Herausforderungen oder Interessen zuschneiden. Anknüpfungspunkte von dir oder deinem Thema zu deinem Publikum kannst du für jeden Einstieg gebrauchen (für einen begeisternden Einstieg in eine Präsentation findest du hier Impulse: Wie du schon am Anfang deiner Rede alle vom Hocker reißt). Ist deine Präsentation nach dem Mittagessen oder am frühen Vormittag könntest du dein Publikum erstmal kurz aktivieren, als direkt ins Eingemachte einzusteigen.

Und damit du mit deinen Ideen und Angeboten auf offene Ohren triffst, solltest du die Probleme und Anliegen deiner Zuhörer aufgreifen und die dazu passenden Lösungen präsentieren. Dein Publikum sollte merken, dass es sich lohnt dir zuzuhören. Das setzt natürlich voraus, dass du die Herausforderungen kennst. Und wenn du diese kennst, kannst du eventuellen Einwänden auch schon in deiner Rede den „Wind aus den Segeln“ nehmen.

…es gibt auf jeden Fall mehr Gründe dafür, die Brille der Zuhörer aufzusetzen.

 

 

Wie im Großen so auch im Kleinen – Vorbereitung für Gespräche

Hier war von Reden und Präsentationen die Rede. Du kannst genauso sorgfältig auch auf Gespräche im Kleinen vorbereiten. Gehst du beispielsweise in ein Vorstellungsgespräch, lohnt es sich, deine Gesprächspartner vorher besser „kennenzulernen“. Nicht nur deren berufliche Stellung im Unternehmen sondern versuche auch herauszufinden, welche Art von Mitarbeiter gesucht wird. Was sollst du tun, welche Rolle hast du inne und wie sollst du möglichst ticken? Social-Media-Kanäle, Unternehmensseiten oder schon die klassische Stellenbeschreibung liefern dir ganz viele Hinweise. Vielleicht kennst du auch einen Insider, dann frage ihn aus.

Oder du bist selbständig und möchtest ein Angebot präsentieren. Es wäre doch schade, wenn du von deinem Angebot voll überzeugt bist, aber keine Verbindungspunkte zum Kunden hast oder deine Argumente gar nicht zu deren (wirklichen) Anliegen passen.

 

Entwickle ein Gespür für die Interessen und Befindlichkeiten der Zuhörer. Der Einsatz lohnt sich. Je mehr du auf die Anderen eingehst – dich mit deinem Publikum in deiner Vorbereitung beschäftigst und durch deren Brille schaust – desto wahrscheinlicher ist es, dass deine Worte auch wirklich ankommen und du alle begeistern kannst.

 

Bild: pixabay.com

 

 

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die sich im Job nicht gut verkaufen können und ihr Licht oft unter den Scheffel stellen. Die aber beruflich weiterkommen wollen und können.
Ich zeige ihnen, wie sie ohne Angeberei auf sich und ihre Leistungen aufmerksam machen. Wie sie selbstbewusst ihr Können zeigen und sich charmant im besten Licht präsentieren. Und wie sie einen Plan entwickeln, der ihnen im Job Türen und Herzen öffnet – der sie beruflich weiterbringt.
Als „Die Stärkenreporterin“ ist meine Mission erfüllt, wenn meine Kunden selbstbewusst auftreten, sich gut verkaufen und beruflich weiterkommen.
Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert