Für Manche ist es eine unangenehme Vorstellung: Wir sind auf einer beruflichen oder privaten Veranstaltung und sagen uns gegenseitig ‚Hallo‘ und dann herrscht Schweigen. Ein betretendes Schweigen. Ein gefühlt unendlich langes Schweigen. Am liebsten wären wir unsichtbar. Auch wenn wir alle schon zig Tipps zum locker flockigen Small Talk und Gesprächseinstieg bekommen haben, manchmal sind wir so blockiert, dass alles, was uns in den Sinn kommt, zu banal oder manchmal auch zu dusselig erscheint. Wir kriegen den Mund einfach nicht auf. 

Jetzt könnte ich dir hier noch viele weitere Tipps zum Gesprächseinstieg geben. Beim Small Talk passiert viel Spannenderes auf anderen Ebenen: In deinem Kopf und deinem Körper. Ich schaue auf das, was in dir drin passiert, bevor oder wenn wir Fremden begegnen – und nicht auf das, was aus deinem Mund herauskommt oder eben nicht. Was hindert uns, uns ganz entspannt auf einen Small Talk einzulassen? Und wie kannst du anders – durch deine Einstellung und Haltung – an die Sache herangehen, um leicht mit Fremden ins Gespräch zu kommen …und auch wieder raus.

 

(Innere) Spielregeln für einen entspannten Small Talk

Folgende Punkte nehme ich unter die Lupe und gebe dir Tipps, über die du nachdenken kannst. …und vielleicht wirst du zukünftig anders auf oben beschriebenen Situationen zugehen.

  1. Überwinde es
  2. Ein guter Tag macht guten Smalltalk
  3. Hohe Ansprüche sind fehl am Platz

…und am Ende bekommst du noch weitere Tipps zum Einstieg, Ausstieg und wie du sicherer beim Small Talk werden kannst.

 

Small Talk - Leicht ins Gespräch kommen ...und wieder raus

 

1 | Überwinde es

Der Mensch ist ein Herdentier. Es ist uns ein tiefes menschliches Bedürfnis, uns mit Fremden auszutauschen. Umso schlimmer ist es, wenn es scheitert; wenn wir den Mund nicht aufkriegen und unseren Gesprächspartner nur unsicher angrinsen. Das sind Erfahrungen, die sich tief in unser Hirn einbrennen. Es kann noch so ein toller Abend sein, am nächsten Tag fällt uns zuerst ein, wie wir uns nach einem ‚Hallo‘ von Person X davongeschlichen haben und uns irgendwie dämlich vorkamen. Und dann ärgern wir uns oder würden uns lieber immer noch verstecken. Und so kommt eine blöde Erfahrung, die in der Erinnerung viel Raum einnimmt zur anderen und im schlimmsten Fall fühlst du dich bei jeder folgenden Begegnung unsicher.

Überwinde es. Ich meine damit, dass du diesem Gedanken gern einen Platz einräumen kannst, doch gib ihm nicht so viel Raum. Eine schlechte Erfahrung ist passiert. Jetzt kannst du sie nicht mehr ändern. Ärgere dich nicht darüber – stundenlang. Komm raus aus der Verlegenheitshaltung. Frage dich stattdessen, woran es gelegen hat, dass es einfach nicht gefluppt hat. Warum konntest du das Eis nicht brechen? Nur so hast du die Chance, es beim nächsten Mal anders zu machen. …und damit Positives auf dein Erfahrungskonto einzuzahlen.

 

Hier drei Ideen/ mögliche Antworten:

Vielleicht kommt dir der Gedanke, dass dir die andere Person einfach nicht sympathisch war. Ok. Setze einen Haken daran. Nicht jeden finden wir sympathisch und ein Gespräch auf Biegen und Brechen macht wirklich keinen Sinn. Wie kannst du beim nächsten Mal sauber aus der Nummer rauskommen? Hast du einen oder zwei bis drei Sätze, die du abrufen kannst. Wenn nicht, bekommst du ganz unten noch ein paar Tipps.

 

Vielleicht lag es aber auch daran, dass es jemand war, den du bewunderst, toll findest oder der dir im Status überlegen war. Vielleicht hast du dich in diesem Moment klein gefühlt und konntest deswegen nicht einfach los quatschen. Diesen Stress machst du dir selber. Sicher finden es Menschen gut, wenn sie bewundert werden. Aber auch die wollen nicht, dass die Anderen vor Ehrfurcht erstarren. Auch sie brauchen Kontakt und Menschlichkeit. Manchmal sehen wir diese Menschen nur aus einem (so tollen) Blickwinkel. Wir bewundern sie für etwas, was aber nur einen kleinen Teil ihres Lebens ausmacht. Schau auf den gesamten Menschen. Wie wäre der Gedanke, dass diese auch ein ganz normales Gespräch führen wollen?

Und: Auch du bist etwas! Auch du bist in irgendetwas gut, bewundernswert und toll! Indem du dich klein machst, bekommt dein Gegenüber übrigens auch gar nicht die Möglichkeit mit dir in Kontakt zu treten. Euer Statusunterschied ist zu groß. Hole also entweder den Anderen vom Sockel herunter (betrachte ihn als kompletten und damit normalen Menschen) oder gehe ein paar Schritte zu ihm hinauf. Das funktioniert über innere Sätze, wie ‚Ich habe etwas zu sagen.‘, ‚Ich bin gut so, wie ich bin.‘, … (was auch immer zu dir passt). Und achte auch auf deine Körperhaltung. Mach dich größer und nimm mehr Raum ein. Auch das kann ein Gespräch schon in Gang bringen.

 

Eine letzte Idee, warum du dich im Nachhinein nicht grämen solltest. Und es beim nächsten Mal anders machen kannst: Wie warst du drauf? In welcher Stimmung bist du ins Gespräch gegangen? Vielleicht kommt dir der Gedanke, dass du an diesem Tag gestresst, müde oder genervt warst. Dann ist das kein Wunder, dass du das Eis nicht brechen konntest. Die innere Einstellung, in der du auf Menschen triffst, entscheidet darüber, wie eure Begegnung verläuft. Dazu mehr im nächsten Punkt.

 

2 | Ein guter Tag macht guten Small Talk

Wenn du auf eine Party gehst und keinen Bock hast, dann bleib zu Hause oder wundere dich nicht, wenn deine Gespräche nicht in Gang kommen. Genauso, wenn dich dein Chef oder irgendwer anders heruntergeputzt hat und du dich blöd, klein oder dumm fühlst, wird ein Gespräch mit Fremden anstrengend und im schlimmsten Fall scheitern. Wenn du dich minderwertig, unsicher und müde fühlst, dann sehen dir das Andere kilometerweit an. Und dann haben sie auch keinen Bock auf dich. Sie haben ihre eigenen Päckchen zu tragen.  

Das klingt jetzt hart, aber betrachte es mal aus der Sicht des Anderen: Willst du jemanden kennen lernen, den du erstmal in den Arm nehmen musst? Gerade beim ersten Kontakt sollte es leicht sein. Schwere (auch thematisch) ist ungeeignet für Small Talk. Doch die kommen auf dein Gegenüber zu (so die Denke), wenn du müden Schrittes und mit hängenden Schultern auf ihn zugehst – oder wie ein Häufchen Elend in der Ecke stehst. Deine Stimmung, deine innere Einstellung; so wie du gerade über dich denkst und dich fühlst, ist entscheidend für einen guten Small Talk.

DOing für dich: Bringe dich in eine normal bis gute Stimmung (Musik, Spaziergang, Sport, Tanzen, …). Richte dich innerlich auf (Erfolgstagebuch lesen, deine grandiosen Ergebnisse im Job, Sport aufrufen, …). Mach dir irgendwie Lust auf den Kontakt zu Fremden. Das kann auch ein inneres Mantra a la ‚Ich bin Gastgeber dieser Party‘ sein, wie es Ben im Podcast erzählt hat (…und es funktioniert übrigens super).

Bist du in guter innerer Stimmung, wird wie von Zauberhand im außen einiges passieren. Deine Körpersprache spricht anders. Vielleicht wirst du lächeln und gehst aufrecht durch den Raum. Auf andere wirkst du wie ein guter Gesprächspartner. Auch sie entspannen sich dann automatisch. Ihr kommt besser ins Gespräch. …und wenn ihr euch dann noch ein bisschen sympathisch seid, dann… (wer weiß).

 

Smalltalk ohne Absicht lässt dich offen und neugierig bleiben! Klick um zu Tweeten

 

3 | Hohe Ansprüche sind fehl am Platz

Ein Smalltalk ist ein Smalltalk. Punkt. Mehr nicht und auch nicht weniger. Smalltalk ist in erster Linie zweckfrei. Er dient dem „Beschnuppern“. Ja und Small Talk ist oberflächlich. Das kann man blöd finden, ist aber so. Wenn er gelingt, dann hast du mit deinem Gesprächspartner noch genug Zeit in weiteren Gesprächen in die Tiefe zu gehen.

Mir hilft es auch, mir zu sagen, dass ich dieses Gespräch ganz ohne Absicht beginne. Der Gedanke einen neuen Kunden zu gewinnen oder einen Kontakt, der mir irgendwie nützlich ist, verkrampft mich. Einfach offen ohne Absicht mit Fremden reden, macht mich viel lockerer und auch mehr Spaß. Es erleichtert übrigens das Zuhören, was das Gespräch viel besser in Schwung hält. Lass doch den Anderen die Themen vorlegen und schau, wo du einhaken kannst. Probiere es aus!

Mache es wie Kinder: Gehe mit Neugier und offenen Augen und Ohren in das Abenteuer. Sei ganz einfach nur offen und lass vorgefasste Meinungen oder Druck zu Hause.

 

 

Leicht ins Gespräch kommen

Mit diesen drei (inneren) Spielregeln kommst du leichter in ein Gespräch mit Fremden, weil du entspannter und offener an die Sache rangehst. Meistens werde ich gefragt, was denn dann zu sagen ist. Dazu gibt es unzählige Tipps, die mal mehr mal weniger funktionieren. Und hier kommt es darauf an, in welcher Situation oder Rolle du auf Menschen triffst und wie du so allgemein drauf bist. Den ultimativen Tipp gibt es nicht!

Für mich habe ich etwa fünf „Standardsätze“ und anschließende Fragen, die ich aus dem Ärmel ziehe, falls mir sonst nichts einfällt und mein Gegenüber nichts über die Lippen bringt. Die passen sicher nicht bei dir, weil du jemand anderes bist. Und beim Small Talk geht es auch um eine authentische Wirkung. Vielleicht helfen dir auch ein paar Sätze, die bei vielen Gelegenheiten passen. Probiere es aus.

Ich stelle zum Beispiel auch gern Fragen, um den Redeball meinem Gegenüber zuzuspielen. Und hier lasse ich diesen gern von sich erzählen. Das tuen übrigens die meisten Menschen gern und ausgiebig. So kann ich mich entspannen, habe ich Zeit zum Zuhören und kann mir einen Punkt rauspiken, den ich aufgreife oder zu dem ich eine weitere Frage stelle.

Um leicht ins Gespräch zu kommen ist es auch nützlich, ein Lächeln aufzulegen. Klingt banal, doch ein Lächeln öffnet Türen und Herzen. Ein guter erster Eindruck mit einem Lächeln, Blickkontakt und einer offenen Körperhaltung ist schon die halbe Miete, um überhaupt erstmal beim Anderen „zu landen“. Denn Signale von Abwehr, Traurigkeit und ein fehlender Blickkontakt machen Small Talk schwer bis unmöglich. Achte deshalb auch auf deine Körpersprache. Welche Signale sendest du? Erleichtern diese ein gutes Gespräch – oder eben nicht?

 

 

Small Talk entspannt beenden

Beim Small Talk geht es um ein kurzes Gespräch. Vielleicht wird es ja länger, doch manchmal ist es auch gut. Viele trauen sich nicht, sich zu verabschieden. Blöd ist, wenn der Zeitpunkt überschritten ist und man plötzlich feststellt, dass man sich nichts mehr zu sagen hat. Manchmal entsteht dann betretendes Schweigen. Lass es erst gar nicht so weit kommen. Wenn es am schönsten ist, sollte man ja bekanntlich gehen. Aus Höflichkeit muss niemand bleiben.

Finde den passenden Moment und einen guten Ausstieg. Man trifft sich nämlich immer zweimal. Mach es einfach. Einfach im Sinne einer Verabschiedung und einem Danke fürs Gespräch. Zeige Freude über die letzten Minuten und gibt dem Anderen ein gutes Gefühl. Lass lange Begründungen oder gar komische Entschuldigungen weg. Setze dein schönstes Lächeln auf und ziehe weiter. 

Nicht einfach? Dann kannst du das Üben.

 

Small Talk beenden - Lieber zu früh als zu spät. Klick um zu Tweeten

 

Guter Smalltalk – Übungsgelegenheiten suchen

Wenn du jetzt ein Smalltalk-Ausweicher bist, dann suche dir Übungsgelegenheiten. Dazu habe ich einen ultimativen Tipp: Übe in sicheren Situationen. Auf dem nächsten Netzwerktreffen bist du vielleicht nicht safe, weil es um etwas geht. Doch beim Bäcker, beim Warten auf den Bus oder beim Einwohnermeldeamt, da geht es nicht „um die Wurscht“. Hier kannst du ausprobieren und sicherer werden.

…und wer weiß, wer dir hier Interessantes begegnet… !?

 

Ich wünsche dir viel Spaß, Neugier und Leichtigkeit beim smalltalken!

 

 Eine Podcast-Folge zum Thema „Smalltalk“ kannst du auch hier hören: Smalltalk: So geht entspanntes Plaudern.

 

 

 

Alles Liebe

Deine Bianca

Die Stärkenreporterin

 

 

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Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die vor Menschen sprechen.
Mein Job ist es, dass sie selbstbewusst auftreten, „Handwerkszeug“ und Technik für gutes Präsentieren bekommen, sicherer beim Reden werden und Ausstrahlung gewinnen.
Kurz: Ich mache Menschen fit für die kleine und die große Bühne, damit sie selbstbewusst auftreten und reden.

Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert