Kennst du diese innere Zerrissenheit bei Entscheidungen? Und dieses „Eigentlich sollte ich…“? Manchmal passiert dann NICHTS. Dein inneres Team ist ein zerrütteter Haufen einzelner Pappenheimer. Alles, nur keine starke Mannschaft, die dir Rückendeckung gibt. Dabei ist es wie im Fußball: Elf Freunde müsst ihr sein! Wie kannst du aber dein inneres Team mittels Teambuilding zusammenschweißen? Und wieso hilft dir das, um selbstbewusst und souverän aufzutreten?

 

Darf ich vorstellen: Mein (inneres) Team

Ich wollte ich diesen Blogartikel schreiben. Eigentlich gleich. Eigentlich! Sofort stand mein Team auf der Matte. Einige hatten direkt ganz laut etwas zu meckern. Andere fanden es gut, applaudierten und gaben mir gleich kluge Ratschläge. Manche machten sich aber gar nicht bemerkbar. Nur an ihren Gesichtern konnte ich ihre Meinung erahnen. Das war dann in etwa so:

Antreiber-August schrie: „Ja, gib Gas! Hau es raus!“
Regina, die Realistin murmelte: „Leg gleich los, dann wirst du heute fertig. Morgen ist noch eine Menge anderes zu tun!“
Der Visionär-Viktor träumte laut: „Du wirst berühmt! Alle Welt wird über deinen Artikel sprechen.“
Daraufhin rief der Bodenhaftung-Bill direkt: „Bleib auf dem Teppich, Mädchen!“
„Was, wenn du einen Fehler machst und die ganze Welt sieht das!“ jammerte Beschützer-Berta mit einem eindringlichen Blick.
Scham-Chantalle schnappte nach Luft und nuschelte: „Du wirst dich blamieren!“ Und schaute sofort zu Boden.
„Du hast noch nicht mal ein Bild. Wahrscheinlich schreibst du wieder nur oberflächliches Zeug. Hauptsache einen neuen Artikel.“ zeterte der olle Nörgel-Norbert.
Der Wellness-Willi räkelte sich und sagte gelassen: „Morgen ist auch noch ein Tag.“ Und nahm sich ein Buch.
‚Wozu hast du eigentlich geheiratet, wenn du den ganzen Abend am Laptop sitzt‘ zeigte mir mit voller Verachtung durch ihre ganze Körpersprache Valentina, die Vorwurfsvolle.
Frau Freundin sagte auch nichts, aber ich sah ihr an, was sie dachte: ‚Hoffentlich gibt es dafür wenigstens ein paar Likes.‘
Zum Schluss kam noch die Altkluge-Augustine um die Ecke. Sie würdigte mich keines Blickes.

Ein paar Andere kamen zu spät oder brauchten erst noch eine Aufforderung. Doch zu denen komme ich später.

Einigkeit? Zustimmung? Bestärkung? Eine klare Ansage? Das sieht anders aus. Mein Team war ein zerrütteter Haufen einzelner Pappenheimer.

Nun – Ich habe gar kein Team. Also keins, was aus mehreren Menschen wie Bill, Augustine, Willi, Norbert, Frau Freundin usw. besteht. Nicht in echt also, aber in mir drin, in meinem Kopf. Alle diese Stimmen melden sich mal mehr, mal weniger laut zu Wort. Besonders wenn ich Entscheidungen treffen will oder wenn ich an etwas zweifle.

 

 

Wer bin ICH? …und wenn JA, wie viele und was wollen sie?

Jetzt bin ich aber keine gespaltene Persönlichkeit. Alle diese Stimmen sind Teile in und von mir – Teile meines SELBST oder Mein Inneres Team. Mein Team redet gern mit. Alle Teammitglieder wollen mir Entscheidungen erleichtern oder meine Ideen voranbringen. Im Grunde gut. Nur… Sie sich selten einig.

Der Antreiber-August möchte, dass ich etwas schaffe und meine Ideen zu Papier bringe. Er kennt mich sehr gut und weiß, dass ich den Wellness-Willi liebe und der sich oft durchsetzt. Der will nämlich, das ich mit meinen Kräften haushalte.
Visionär-Viktor, Bodenhaftung-Bill und die Realistin Regina ziehen irgendwie auch am gleichen Faden. Sie wollen, dass ich erfolgreich bin, mir realistische Ziele setzte und diese engagiert verfolge. Also, das aus mir was wird.
Beschützer-Berta, Scham-Chantalle und Frau Freundin wollen auch nur mein bestes. Sie mahnen, aber sie zögern auch, damit ich bedacht die Dinge in die Hand nehme. Sie holen mich auch in die Realität und wollen, dass ich nicht enttäuscht werde.
Was der Nörgel-Norbert und die Altkluge-Augustine wollen, weiß ich meistens nicht genau. Norbert will wahrscheinlich einfach nur mal die Klappe aufreißen und schlechte Laune machen. Wenn der nur nicht immer so laut wäre. Und Augustine macht mich auch wahnsinnig. Sie könnte doch einfach mal von vornherein Klartext sprechen.
Da ist mir Valentina, die Vorwurfsvolle schon lieber. Auch wenn sie nichts sagt, erinnert sie mich doch immer wieder an meine Home-Base, mein Zuhause, Familie und Freunde.

 

Ich bzw. mein Selbst ist also kein festes Ding, sondern eine Ansammlung verschiedener Pappenheimer. Meine inneren Teile haben verschiedene Bedürfnisse, Absichten, An- und Einsichten, die sie auf unterschiedliche Art und Weise ausdrücken. Und das noch nicht einmal immer gleich. Morgen können sie sich schon wieder ganz anders verhalten. Besonders bemerkbar machen sie sich in Situationen, in denen ich mich schwer tue.

Ach so und übrigens: Nicht nur ich habe diese „Macke“. Jeder von uns – auch du – läuft mit verschiedenen inneren Pappenheimern durch die Welt. Hast du sie schon mal gehört?

 

Warum du ein starkes inneres Team brauchst, um selbstbewusst aufzutreten und Entscheidungen zu treffen | Bianca Grünert | Die Stärkenreporterin

 

Das Modell des inneren Teams

Das Modell des inneren Teams, das Basis dieses Beitrages ist, stammt nicht von mir, sondern von einem sehr geschätzten Menschen, von dem du vielleicht schon einmal gehört hast: Friedemann Schulz von Thun. Von ihm stammt auch das 4-Ohren-Modell. Ich konnte ihn schon einmal live erleben und es war fantastisch – unterhaltsam und lehrreich zugleich. Mehr über seiner Arbeit findest du HIER.

Nun zurück zu meinem inneren Team.

 

Jeder von uns läuft mit verschiedenen inneren Pappenheimern durch die Welt. Hast du sie schon mal gehört? Klick um zu Tweeten

 

Wer ist der Teamchef?

Wer hat eigentlich das Sagen? Wie in jedem Team ist der Chef übergeordnet. Wie jede Führungskraft sollte er oder sie ausgestattet sein mit echten Leaderqualitäten um höhere Führungsaufgaben zu bewältigen wie: Teambuilding, Moderation, Wir-Gefühl-Schaffen, Fördern und Fordern, Konflikte und Streit schlichten, Motivieren, (Be)Stärken, Feedback geben, … also das komplette Personal- und Teamentwicklungsprogramm drauf haben. Sprich: Die richtigen (11) Jungs auf den Platz schicken, die Einwechselspieler bei Laune halten und den Zuschauern ein Erlebnis bieten.

Das klingt jetzt so „nach außen“, aber alles spielt sich in mir und dir – in uns SELBST – ab. Es geht letztlich um Selbstführung. Manage dich selbst! Stelle also deine passende Truppe auf, aber beachte auch die stillen Stimmen oder die Außenstehenden.

Und wie der Trainer einer Fußballmannschaft musst du dafür einiges tun: Zuerst dir deine Spieler ansehen, anhören und dein inneres Team richtig kennenlernen.

 

 

Mannschaftsbesprechung für dein inneres Team

Um aus dem zerrütteten Haufen eine schlagkräftige Truppe zu machen, kommt es auf deinen Führungsstil an. Für ein gut funktionierendes inneres Team helfen weder Anarchie noch Diktatur. Hier hilft Beteiligung, manchmal ein paar Streicheleinheiten, aber auch mal klare Kante – ein Vorgehen in etwa so:

  • Identifiziere deine Pappenheimer. Oder in Fußballsprache: Wer ist Stürmer, hängende Spitze, potentieller Elfmeterschütze, Verteidiger (rechts, links, Innenverteidiger), Spielmacher, der Zehner oder Sechser, Wortführer, Kapitän (mit und ohne Binde), … Wer sind deine Bertas, Valentinas, Norberts…
  • Wer hat welche Absicht? Wer kann und will was (auf dem Platz, in der speziellen Situation)?
  • Was ist mit den Außenseitern, den Leisen, Unsichtbaren oder Zu-Spät-Kommern? Lass die Auswechselspieler, Fans und auch den Platzwart zu Wort kommen. (Wichtig ist, dass alle zu Wort kommen. Wer sich übergangen fühlt, wird sich rächen! Das ist wie im „normalen“ Leben und auch im Fußball so.)
  • Jetzt kommt das SELBST – du als Teamchef. Höre in dich rein. Wo gehst du mit? Wen willst du ausbremsen? Wer ist dir zu laut oder zu leise? Welche Meinungen oder Ansichten fehlen dir? Was brauchst und willst du? Bei welchen Meinungen findest du Gemeinsamkeiten?
  • Und dann: Positioniere dich und triff eine Entscheidung (für diese Situation, den nächsten Schritt, das Thema…)! Wer kommt in dein Team? Mit wem willst du im Spiel einlaufen? Wer ist Reserve? Wen schickst du auf die Tribüne?

 

Bei meinem Blog-Schreiben sah das Ergebnis etwa so aus:

Wir saßen alle in der Kabine. Als Teamchef habe ich allen erläutert, um was es mir geht. Jeder durfte dazu etwas sagen. Alle Meinungen, Ratschläge und Ansichten wurden kurz diskutiert. Dann verkündete ich meine Entscheidung.

Der Antreiber-August und Regina, die Realistin wurden etwas ausgebremst. Hier kam ich dem Anliegen von Valentina, der Vorwurfsvollen nach und habe erst noch gekocht und wir (mein Partner und ich) haben noch zusammen gegessen, bevor ich mich an den Schreibtisch setzte.
Dem Visionär-Viktor habe ich ein Lächeln geschenkt (er hat sowieso einen Platz in meinem Herzen) und Bodenhaftung-Bill lenkte auch direkt ein.
Mit Beschützer-Berta und Scham-Chantalle habe ich mich länger unterhalten. Ihre Anliegen habe ich extra wertgeschätzt, dann aber ihre Stimmen leiser gedreht. Sie habe ich nicht in mein Team genommen. Sie schauen von der Tribüne aus zu.
Denn wieder einmal ist die Stärken-Susi zu spät gekommen und konnte erst in der Mannschaftsbesprechung ihre Meinung sagen. Mit „Du schaffst das“ war sie gleich in meinem Team.
Der Wellness-Willi wurde auf morgen vertröstet. Er ist heute mal ganz raus. Morgen lesen wir ein Buch.
Frau Freundin habe ich versprochen, dass ich ordentliches Marketing mache und mir beim Schreiben alle Mühe gebe. Dazu haben auch Berta und Chantalle applaudiert.
Die Altkluge-Augustine sagte „Siehste, wusste ich doch, dass noch etwas schreibst.“ Ehrlich, sie hätte auch was Nettes sagen können.
Den Nörgel-Norbert habe ich gefragt, was er stattdessen vorschlägt. Darauf hatte er keine Antwort. Er ist also auch raus. Ganz raus aus dem Stadion.

 

Achte auf die heimlichen Möchtegern-Leader in deinem inneren Team! Sie wollen dir gern die Butter vom Brot nehmen. Klick um zu Tweeten

 

Lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen

Fast hätte ich den Schwarzseher-Schorsch übersehen. Er sagt immer hämisch: „Das wird sowieso nichts. Hätte ich dir gleich sagen können.“ Zum Glück habe ich ihn extra eingeladen, obwohl von ihm immer das Gleiche kommt. Der Schwarzseher-Schorsch ist nämlich auch jemand, der Stimmung macht. OK, er meint es auch nur gut mit mir. Aber für ihn gibt es in der Zukunft nur Scheitern, Angst und Schrecken. Er ist manchmal sogar extrem dominant. Mit der Beschützer-Berta, der Scham-Chantalle und dem Nörgel-Norbert bilden die ganz schnell eine Clique und dann geht gar nichts mehr. Da verstummen sogar der Antreiber-August und der Vision-Viktor.

Mein Rat an dich und deine Mannschaftsbesprechung: Achte auf die heimlichen Möchtegern-Leader in deinem inneren Team! Würdige ihre Ansicht, aber lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen. Entwickle dein inneres Team zugunsten einer erfolgreichen Zukunft, Arbeit oder dem nächsten Spiel. Vielleicht findest du andere Beschäftigungen für deine ungeliebten Pappenheimer.

 

 

Warum du dein Top-Team kennen solltest

Nun klingt das hier alles so einfach und verspielt. Und vielleicht fragst du dich, wie es im echten Leben gehen soll? Zugegeben so eine Mannschaftsbesprechung mache ich auch nicht täglich so bewusst. Dich mit deinem inneren Teilen zu beschäftigen, macht Sinn, wenn du dich besser verstehen und kennen lernen willst. Und das macht Sinn, um selbstbewusst und souverän aufzutreten.

 

Nur wer sich selbst versteht, kommuniziert besser. Schulz von Thun

 

Beobachte dich einmal in Diskussionen: Wer aus deinem inneren Team redet? Welcher Teil meldet sich laut zu Wort? Ist es der Nörgler, der Beschützer, die Visionär oder ein anderer Pappenheimer?

Oder du stehst vor einer wichtigen Entscheidung: Was sagen deine Teile dazu?

Oder du willst deine Argumente selbstbewusst vortragen: Wie willst du das souverän tun, wenn du innerlich zerrissen bist? Wäre es nicht besser, dir erstmal selbst klar zu werden, was du als Chef oder Chefin willst?

 

Mache dir deine Persönlichkeits-Teile und ihre Anliegen bewusst. Lerne sie kennen. Sei neugierig auf sie. Wenn sie nicht reden, dann befrage sie.

Vielleicht gibst du ihnen auch lustige Namen. (Meine Pappenheimer haben übrigens auch eine echte Gestalt vor meinem geistigen Auge. Sie haben Klamotten an, einen bestimmten Gesichtsausdruck und sogar eine individuelle Stimme. So kann ich mich besser mit ihnen unterhalten.)

 

Dann denke daran: Du bist der Boss! Die Teile, die da reden, sind nur deine Teammitglieder. Nur einzelne. Jetzt kannst du deren Stimmen auf eine bewusste Ebene heben und dir sagen (oder dir denken): ‚Jetzt höre ich meinen Nörgler sprechen und der meint…‘ Oder ‚Mein Beschützer zeigt mir worauf ich Obacht geben soll, wenn…‘ Oder deinen Visionär, Antreiber, Beschützer, die Altkluge…

Und: Was meint der Boss? Was willst du? Was brauchst du? Was möchtest du?

Sicher wirst du nach der nächsten Mannschaftsbesprechung selbstbewusst auftreten und souverän Entscheidungen treffen.

 

Dafür alles Liebe

Deine Bianca

Die Stärkenreporterin

 

 

Bild: pixabay.com

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die sich im Job nicht gut verkaufen können und ihr Licht oft unter den Scheffel stellen. Die aber beruflich weiterkommen wollen und können.
Ich zeige ihnen, wie sie ohne Angeberei auf sich und ihre Leistungen aufmerksam machen. Wie sie selbstbewusst ihr Können zeigen und sich charmant im besten Licht präsentieren. Und wie sie einen Plan entwickeln, der ihnen im Job Türen und Herzen öffnet – der sie beruflich weiterbringt.
Als „Die Stärkenreporterin“ ist meine Mission erfüllt, wenn meine Kunden selbstbewusst auftreten, sich gut verkaufen und beruflich weiterkommen.
Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert