Wir alle kennen das: Wir betreten einen Raum mit fremden Menschen und alle Augen sind plötzlich auf uns gerichtet. Wir werden von oben bis unten gescannt. Augenblicklich fällen die anderen ein Urteil über uns – positiv oder negativ. Der erste Eindruck – ein Magic Moment, der darüber entscheidet, wie uns andere behandeln und ob wir sie überzeugen können. Dabei haben wir noch gar nichts gesagt.

Doch wie kannst du beim ersten Eindruck glänzen – im Magic Moment sprichwörtlich „gut dastehen“? Was öffnet dir Türen und Herzen? Ich habe für dich mal genauer hingeschaut und gebe dir Tipps, damit du wahre Magic Moments erlebst.

 

Von Anfang an überzeugend: Wie der erste Eindruck ein Magic Moment wird

 

Was in den ersten (Milli)Sekunden passiert

Für unsere keulenschwingenden Vorfahren war die überlebenswichtige Frage: Bist du ein Freund oder Feind? Und das tun wir auch heute noch, wenn wir Fremden gegenüberstehen – meist unbewusst und subtiler. Das erste Urteil fällen wir schon nach einem Wimpernschlag. Innerhalb dieser kurzen Zeit fragen sich Milliarden von Nervenzellen in unserem Gehirn: Bist du mir sympathisch oder nicht? Finde ich dich angenehm und bist du mir geheuer – oder eben nicht? Die Antwort entscheidet über den weiteren Verlauf der Begegnung und nicht zuletzt über Beziehungen und Karrieren. Der erste Eindruck bestimmt, ob wir uns eine intensivere oder weitere Begegnung wünschen.

Sicher kennst du das auch. Es gibt die, deren Nähe dir willkommen ist und auch die, die du sofort blöd findest und denen du lieber aus dem Weg gehen willst.

Die Psychologie spricht hier vom Primäreffekt. Der ist zwar oberflächlich, aber nicht zu unterschätzen. Nur wer uns geheuer ist, wen wir nach etwa einer Sekunde als sympathisch eingestuft haben, der hat Chancen, dass wir genauer hinschauen wollen.

 

 

Was wir genau scannen, um einen ersten Eindruck zu bekommen

Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Verhaltenspsychologie nehmen wir Fremde in den folgenden vier Minuten noch etwas genauer unter die Lupe: Zunächst schauen wir auf Merkmale, wie Alter und Geschlecht, checken die Figur und die Kleidung. Danach mustern wir Details wie die Körperhaltung, die Hände, den Oberkörper und wenn gesprochen wird, auch die Stimme und Tonmelodie.

Dabei schauen nach etwas, was uns sympathisch ist – Mimik, Haltung, Kleidung. Dazu zählen auch Ähnlichkeiten. Diejenigen, die unserer Peer Group entsprechen, finden wir in der Regel sympathischer. Wer so ganz anders ist, ist uns eher nicht geheuer. Das verunsichert uns und …ach so Neues und Anderes ist komisch.

Außerdem finden wir es komisch, wenn etwas nicht so ist, wie es scheint. Inkongruenz: Wenn ein selbstbewusstes Auftreten vorgespielt wird und die Körperhaltung etwa was anderes sagt.

Wenn wir noch etwas jünger sind, scannen wir auch, ob sich unser Gegenüber als potentieller Partner eignet. (Ja, wir sind fortpflanzende Wesen und auf Arterhaltung aus.)

Es sind über 100 Merkmale, die wir in den ersten vier Minuten unbewusst (!) wahrnehmen und scannen. Und Zack, dann haben wir uns einen Eindruck vom Anderen gemacht und schieben ihn oder sie in eine Schublade: Volltreffer oder Niete. Magic Moment oder blöd gelaufen.

Der erste Eindruck mag nicht zu 100 Prozent stimmen, aber neue Informationen ordnen wir diesem Urteil unter. Unser Urteil unterliegt einer Menge von Wahrnehmungsfehlern. Doch die sind uns erstmal nicht bewusst. Wenn zum Beispiel beim ersten Eindruck ein positives Merkmal oder Eigenschaft alles andere an der Person überstrahlt, dann hat der Halo-Effekt zugeschlagen. Man kann ihn für sich auch positiv nutzen. Bei Anderen: Schau nochmal genauer hin! 

Das heißt: Wer sympathisch wirkt, dem wird beispielsweise automatisch auch Kompetenz, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit… zugeschrieben – erst einmal. Wer unsympathisch wirkt, muss viel Energie aufwenden, diesen negativen Eindruck zu korrigieren – wenn er die Chance überhaupt noch bekommt.

 

Schon nach einem Wimpernschlag haben wir uns einen Eindruck vom Anderen gemacht und schieben ihn in eine Schublade: Volltreffer oder Niete. Magic Moment oder blöd gelaufen. Klick um zu Tweeten

 

Körpersprache und eine positive Einstellung für einen Magic Moment nutzen

Psychologischen Studien zufolge ist der erste Eindruck über 90 Prozent Körpersprache. Meistens kommen wir ja auch nicht gleich zu Wort.

Von Anfang an überzeugend: Wie der erste Eindruck ein Magic Moment wird / Bianca Grünert / StärkenreporterinAber Achtung: Mimik, Gestik oder Körperhaltung sprechen Bände – über dich und deine innere Einstellung. Das heißt auch, dass du dem ersten Eindruck nicht restlos ausgeliefert bist, denn an der inneren Einstellung kannst du arbeiten.

Wenn du denkst, dass du schon wieder auf eine lästige Veranstaltung gehen musst, dann solltest du also lieber zu Hause bleiben. Oder: Schicke deine miese Stimmung in den Keller und mache dir Lust auf die Begegnung mit anderen. Denn eine offene Einstellung Fremden gegenüber, zeigt sich in deiner äußeren Erscheinung. Allein schon positive Gedanken lassen dein Gesicht freundlicher erscheinen.

Fühlst du dich unsicher und zweifelst du an dir oder was auch immer? Auch das zeigt sich in deiner Körpersprache. Drehe den Ton dieser Stimme leiser oder nimm diese Tipps: 5 Wege wie du Selbstzweifel überwinden kannst 

 

 

Schon ein Lächeln öffnet Türen und Herzen

Weiterhin kannst du an deinem Auftreten arbeiten. Bis die Wissenschaft allerdings eine fundierte Auftritts-Anleitung für den perfekten Magic Moment geben kann, gilt: Freundlich sein! Dazu gehört in erster Linie ein Lächeln. Nicht aufgesetzt, denn das spürt dein Gegenüber und es verzerrt dein Gesicht. Nur ein natürliches Lächeln wirkt ansteckend. … das geht natürlich nur, wenn auch deine Stimmung passt. Und es suggeriert anderen, dass du harmlos bist, dass du ein Freund bist – kein Feind.

Übrigens: Laut einer Emnid-Umfrage entscheiden 68 Prozent der Deutschen anhand eines Lächelns, ob sie den Anderen attraktiv finden oder nicht. Sicher liegt es auch daran, dass wir lieber mit Menschen zusammen sind, die glücklich sind.

 

 

Sympathiepunkte sammeln leichtgemacht

Wie kannst du weitere Sympathiepunkte sammeln?

Volltreffer sind Ruhe, Präsenz, Offenheit und Sicherheit. Diese Komponenten kannst du nonverbal – also mit deiner Körpersprache sehr gut vermitteln. Das beginnt schon, wenn du einen Raum betrittst. Bei großen Veranstaltungen bleibe erstmal ein paar Sekunden stehen. Lass deinen Blick langsam durch die Menge schweifen. Nimm dann zu einzelnen Blickkontakt auf und halte diesen für ein paar Sekunden. Dabei sollten deine Augen ruhig bleiben. Auch wenn es dir schwer fällt, strahle körperlich von Beginn an Ruhe und Sicherheit aus, denn hektische Bewegungen sind für andere unangenehm. Hierbei helfen meist auch ein paar langsame Atemzüge bis in den Bauch. 

Sei ganz in dem Moment – im Hier und Jetzt. Andere spüren, ob du ihnen volle Aufmerksamkeit schenkst oder mit deinen Gedanken ganz woanders bist. Was macht dich wohl sympathischer?

Steh aufrecht und gerade mit beiden Füßen auf dem Boden. Mit Bodenhaftung wirkst du standfest und sicher. Prüfe auch deine Kopfhaltung. Das Kinn zu weit nach oben gereckt, lässt dich arrogant wirken. Halte den Kopf besser gerade. Willst du noch mehr Harmlosigkeit vermitteln, dann kannst du den Kopf auch leicht schief legen.

Deine Arme sollten offen sein und die Hände sichtbar. Auch wenn es bequem ist, die Hände in die Hosentaschen zu stecken, hole sie besser hervor. Das lässt dich auch dynamischer und „anpackender“ erscheinen.

Einerseits ist das Auftreten, die Mimik und Haltung enorm wichtig, andererseits auch deine Kleidung. Kleider machen Leute – und wirken auf Leute. Zunächst zählen halt nur Äußerlichkeiten und Ähnlichkeiten. Da kannst du noch so viel Lächeln. Du wirst von anderen beurteilt. Was du schick findest, steht auf einem anderen Blatt.

 

 

Übung macht den Meister und die Meisterin

All das kannst du zu Hause Stück für Stück vor dem Spiegel ausprobieren. Für das Finetuning mache auch mal ein Foto oder ein Video von dir oder gehe live raus „in die Welt“ und prüfe dort die Wirkung deines Magic Moments bei Fremden. Vielleicht kommst du sogar ins Gespräch.

 

 

Der erste Eindruck auf die Ohren?

Höre dir auch mal meine Podcast-Folge mit zusätzlichen Infos zum ersten Eindruck an: Der erste Eindruck: Wie du Sympathiepunkte sammeln kannst

 

 

Mein Tipp:

Fange am besten bei deiner inneren Haltung an. Und dann mach beim Lächeln weiter (das geht dann ja auch leichter).

Auf dass sich dir viele Türen und Herzen öffnen und wahre Magic Moments entstehen!

 

Alles Liebe

Deine Bianca

Die Stärkenreporterin

 

Photo by Soragrit Wongsa on Unsplash

 

Bianca Grünert

Bianca Grünert

Die Stärkenreporterin

Ich arbeite mit Menschen, die vor Menschen sprechen wollen oder müssen - sei es in Meetings oder Seminaren, bei Bewerbungen oder Prüfungen bis hin zu Vorträgen auf größeren Veranstaltungen.

Mein Job ist es, sie für die entscheidenden Momente auf der Bühne stark zu machen, damit sie selbstbewusst und souverän Menschen für ihre Ideen, Produkte oder Meinungen gewinnen.

Mein Motto: Von innen leuchten. Nach außen strahlen.
Bianca Grünert